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  • Thomas

Amrum ist immer eine Reise wert



Ich war schon zu allen Jahreszeiten da: im Januar bei klirrend kaltem, aber klarem Winterwetter, wenn man allein stundenlang am Strand dick eingemummelt laufen kann, im Frühjahr, wenn die Zugvögel auf ihrem Weg zurück in den Norden hier zu Tausenden Rast machen, im Hochsommer, wenn man im heißen Sand die kleinen, weißen Wolken am Himmel beobachten kann, oder im Herbst, wenn die Insel nach der Sommersaison langsam wieder zur Ruhe kommt, die Herbststürme übers Land peitschen und die Sehnsucht nach einer heißen Tasse Tee am besten vermischt mit etwas Rum aufkommt. Amrum hat ganz verschiedene Seiten und ist immer eine Reise wert.


Ganz im Gegensatz zum mondänen Sylt hat Amrum seinen ursprünglichen Inselcharakter bewahrt. Die Amrumer sind stolz: auf ihre Geschichte als Insel der Walfangkapitäne, auf die liebevoll gepflegten alten Friesenhöfe, auf die riesige Dünenlandschaft mit tausenden von Seevögeln mitten im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer. Ein idealer Rückzugsort für Naturliebhaber, ein lohnendes Urlaubsziel für Familien mit Kindern.





Klar, der Weg nach Amrum ist immer mehr oder weniger weit. Ganz im Norden kurz vor der Grenze zu Dänemark gelegen, gibt es aber dennoch gute Möglichkeiten, entspannt anzureisen. Die beste ist sicherlich die Bahn. Es gibt eine Reihe von IC-Verbindungen mit Kurswagen, die direkt bis zum Fähranleger nach Dagebüll fahren. So muss man beispielsweise von Köln aus nur einmal umsteigen und ist bereits mit dem Schiff Richtung Insel unterwegs. Die Überfahrt mit dem Schiff ist übrigens deutlich preiswerter als die Anreise zu den Ostfriesischen Inseln.


Natürlich kann man auch mit dem Auto über die A 7 und die A 23 anreisen. Dann hat man zwei Möglichkeiten. Entweder man nimmt den Wagen mit auf die Insel (bitte frühzeitig buchen) oder man parkt am Anleger, was auch 7,50 Euro pro Tag kostet. Ein (noch) Geheimtipp: Man kann auch über Nordstrand nach Amrum mit dem Schiff anreisen. Der Vorteil: In Nordstrand ist das Parken deutlich preiswerter. Im Moment werden die Parkgebühren von der Reederei sogar voll erstattet.





Auf Amrum selbst gibt es verschiedene Hotels, und eine Vielzahl von Pensionen und Ferienwohnungen. Die Insel ist allerdings sehr gefragt, so dass man am besten langfristig im Voraus plant. Meine Lieblingsferienwohnung ist bereits jetzt für die Sommersaison 2020 voll belegt. Die Preise für Unterkünfte variieren je nach Saison. Wer nicht darauf angewiesen ist, sollte die Hauptsaison meiden. Günstiger ist die Vorsaison bis Mitte Juni. Ich selbst hatte jetzt zwei Jahre lang in der Zeit fantastisches Wetter. Auf Amrum selbst ist man am besten mit dem Rad unterwegs. Die Radwege liegen abseits der asphaltierten Inselhauptstraße.




Amrum ist abwechslungsreich: An der Küste Richtung Föhr gibt es viele Getreideflächen und Wiesen mit Pferden und Schafen, in der Mitte der Insel ausgedehnte Waldflächen und zur Seeseite hin eine breite Dünenlandschaft mit dem kilometerlangen und enorm breiten Kniepsand.


Amrum ist aber auch kulinarisch vielseitig. Natürlich isst man hier Fisch, aber auch Lamm und Rind. Es gibt viele gute Cafés mit sündhaft gutem Kuchen wie der Friesentorte mit Blätterteig, Sahne und Pflaumenmus. Es gibt aber auch so manches Kleinod zu entdecken: das schnuckelige Inselkino, den auf Amrum selbst gebrannten Gin, die vielen kleinen Töpfereien, die alten Kapitänsgrabsteine auf dem Friedhof in Nebel …. Am besten ist es, wenn man sich gar nichts vornimmt für den Tag, einfach losradelt, sich treiben lässt, die Augen aufhält und offen ist für Neues.




Organisierten Massentourismus gibt es nicht auf Amrum. In meinen Augen ist das genau das große Plus dieser Insel. Es würde auch nicht zu den Menschen passen, die hier zuhause sind: den Nordfriesen. Deren stolzer Leitspruch lautet „Lewer duad us Slav!“ Übersetzt: „Lieber Tot als Sklave!“

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